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Orthopädie

Morton-Neurom: Wenn der Vorfuß brennt und taubt

Redaktion Fuss-Kompass7 Min. Lesezeit
Morton-Neurom: Wenn der Vorfuß brennt und taubt

Plötzlich ein brennendes oder elektrisierendes Gefühl im Vorfuß – als würde man auf einen Stein oder auf eine zusammengerollte Socke treten, obwohl der Schuh leer ist. Dieses charakteristische Symptom kennen viele Menschen mit einem Morton-Neurom. Die Erkrankung ist weniger bekannt als Fersensporn oder Hallux valgus, aber keineswegs selten – und sie ist gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird.

Was ist ein Morton-Neurom?

Der Begriff ist eigentlich irreführend: Ein Morton-Neurom ist kein Tumor, sondern eine Verdickung (Fibrose) des Gewebes um einen Nervenzweig im Vorfuß. Betroffen ist meist der plantare Digitalnerv, der zwischen dem dritten und vierten Zehenzwischenraum verläuft – seltener zwischen dem zweiten und dritten.

Durch anhaltenden Druck oder Reizung verdickt sich die Nervenhülle. Das verdickte Gewebe wird wiederum stärker komprimiert – ein Teufelskreis, der zunehmende Beschwerden verursacht.

Wie entsteht ein Morton-Neurom?

Die genaue Ursache ist nicht immer eindeutig, aber begünstigende Faktoren sind gut bekannt:

  • Enges Schuhwerk: Schuhe mit schmaler Zehenbox komprimieren den Vorfuß und quetschen die Nerven. Das erklärt, warum Frauen deutlich häufiger betroffen sind – hochhackige, spitze Schuhe gelten als Hauptrisikofaktor
  • Fußfehlstellungen: Spreizfuß, Plattfuß oder Hallux valgus können die Druckverteilung im Vorfuß verändern und Nerven reizen
  • Sportliche Belastung: Hochintensives Laufen oder Ballsportarten mit abrupten Richtungswechseln
  • Biomechanische Faktoren: Überpronation, die zur Kompression der Mittelfußnerven beiträgt

Typische Symptome

Das Morton-Neurom zeigt sich mit einem charakteristischen Beschwerdebild:

  • Brennender, stechender oder elektrisierender Schmerz im Vorfuß, oft zwischen dem dritten und vierten Zeh
  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Zehen
  • Das Gefühl, auf einem Fremdkörper zu stehen oder eine Falte im Strumpf unter dem Fuß zu spüren
  • Beschwerden, die sich beim Tragen enger Schuhe oder beim langen Stehen verschlimmern
  • Linderung beim Ausziehen der Schuhe oder beim Massieren des Vorfußes

Die Beschwerden beginnen oft schleichend und nehmen über Monate zu. In fortgeschrittenen Stadien können die Schmerzen auch in Ruhephasen auftreten.

Diagnose

Ein erfahrener Orthopäde oder Podologe kann ein Morton-Neurom oft durch eine klinische Untersuchung vermuten: Gezielter Druck auf den betroffenen Zehenzwischenraum sowie das seitliche Zusammendrücken des Vorfußes (Mulder-Test) lösen typischerweise den charakteristischen Schmerz aus.

Zur Bestätigung eignet sich besonders die Sonografie (Ultraschall), die die Verdickung des Nervs zuverlässig darstellen kann – ohne Strahlenbelastung und in Echtzeit. Eine MRT-Untersuchung liefert noch präzisere Bilder und schließt andere Ursachen wie Stressfrakturen oder Ganglien aus.

Behandlungsmöglichkeiten

Schuhwahl anpassen – erste und wichtigste Maßnahme

Schuhe mit breiter Zehenbox und weicher, dicker Sohle reduzieren den Druck auf den Vorfuß sofort spürbar. Viele Betroffene berichten von deutlicher Linderung allein durch diesen Schritt. Absätze und enge Schuhe sollten konsequent gemieden werden.

Orthopädische Einlagen

Spezielle Einlagen mit Metatarsalpolster oder Quergewölbestütze können den Druck auf den betroffenen Nervenzwischenraum reduzieren. Eine individuelle Anpassung durch einen Orthopädieschuhmacher ist empfehlenswert.

Physiotherapie

Gezielte Übungen zur Kräftigung der Fußmuskulatur und Dehnung der Wadenmuskulatur können die biomechanischen Ursachen des Morton-Neuroms adressieren. Manuelle Techniken zur Mobilisierung des Metatarsalbereichs ergänzen die Behandlung.

Kortisoninjektionen

Gezielte Injektionen eines Kortikosteroids in den betroffenen Zehenzwischenraum können die Entzündungsreaktion dämpfen und kurzfristig deutlich Linderung bringen. Die Wirkung hält jedoch oft nur einige Monate an, und wiederholte Injektionen sind wegen möglicher Gewebenebenwirkungen begrenzt.

Sklerosierungstherapie

Eine neuere Methode: Injektionen mit verdünntem Alkohol in das verdickte Nervengewebe sollen es schrittweise veröden. Erste Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse, die Methode ist aber nicht überall verfügbar.

Operation – wann ist sie sinnvoll?

Wenn konservative Maßnahmen über sechs bis zwölf Monate keinen ausreichenden Erfolg zeigen, kann operativ eingegriffen werden. Dabei wird entweder das verdickte Nervengewebe entfernt (Neurektomie) oder der Nerv durch eine Durchtrennung des umliegenden Bandes entlastet (Dekompression). Die Erfolgsraten sind gut, aber eine Operation am Fuß erfordert immer eine sorgfältige Abwägung.

Vorbeugung

Vollständig vermeiden lässt sich ein Morton-Neurom nicht immer, aber das Risiko lässt sich verringern:

  • Schuhe mit ausreichend Zehenraum bevorzugen
  • Absätze nur gelegentlich und zeitlich begrenzt tragen
  • Fußmuskulatur regelmäßig kräftigen
  • Bei ersten Symptomen frühzeitig reagieren – nicht abwarten, bis die Beschwerden chronisch werden

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Taubheitsgefühlen oder anhaltenden Vorfußschmerzen sollte zeitnah ein Orthopäde aufgesucht werden.

#Morton-Neurom#Vorfußschmerzen#Metatarsalgie#Nervenschmerz#Fußorthopädie

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